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Wir werden uns Fünfjahresziele für den CO2-Emissionsabbau setzen

Wir werden uns Fünfjahresziele für den CO2-Emissionsabbau setzen

22-02-2021 | Interview
Die Dekarbonisierung kommt voran. Robeco hat vor kurzem bekannt gegeben, dass es bis 2050 für sein gesamtes verwaltetes Vermögen Klimaneutralität erreichen will. Für alle unsere Strategien werden Dekarbonisierungsziele gesetzt, die mit unserem Bekenntnis zum Pariser Klimaschutzabkommen in Einklang stehen. Was ändert sich dadurch für Anleger in der Praxis? Wir haben mit Guido Moret, Head of Sustainability Integration im Bereich Unternehmensanleihen, und Arnoud Klep, einem Portfoliomanager in unserem Quantitative Equity-Team, gesprochen.
  • Arnoud Klep
    Arnoud
    Klep
    Portfolio Manager
  • Guido Moret
    Guido
    Moret
    Head of Sustainability Integration Fixed Income

In aller Kürze

  • Neue klimaorientierte Rentenmarktstrategien dienen als Maßstab für andere Portfolios
  • Mehrere nachhaltige quantitative Aktienstrategien werden Paris-konform
  • Wenn Unternehmen ihre CO2-Emissionen nicht verringern, wird es für Anleger zusätzliche Beschränkungen geben

Können Sie erläutern, welche Idee hinter diesem Versprechen steht?

Guido Moret: „Diese Ankündigung wurde gemacht, als Robeco mit anderen das Net Zero Managers-Projekt gründete. Im Rahmen dieses Projekts haben 30 Assetmanager mit einem verwalteten Vermögen von insgesamt ca. 9 Billionen USD zugesagt, ihren Beitrag zu leisten, damit bis 2050 oder früher Klimaneutralität erreicht wird. Damit wollen wir unsere Unterstützung der weltweiten Anstrengungen zu der im Pariser Klimaschutzabkommen vereinbarten Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 °C untermauern.“

Das Pariser Abkommen wurde 2015 unterzeichnet. Es war also an der Zeit, entschlossenere Maßnahmen zu ergreifen

„Das Pariser Abkommen wurde 2015 unterzeichnet. Es war also an der Zeit, entschlossenere Maßnahmen zu ergreifen. Von nun an werden wir uns für alle unsere Portfolios Fünfjahresziele für den CO2-Emissionsabbau setzen. Das ist kein leichtes Unterfangen. Um Ihnen eine Vorstellung zu geben, welche Anstrengungen das erfordert: Die Pandemie hat die CO2-Emissionen in 2020 bestenfalls um lediglich 12-15 % reduziert. Eine solche Reduzierung müssen wir alle zwei Jahre schaffen, um dem Ziel der Klimaneutralität bis 2050 nahe zu kommen.“

Wo fangen wir an?

G.M.: „Das wird ein Lernprozess werden. Im Dezember 2020 haben wir zwei neue klimaorientierte Rentenmarktstrategien aufgelegt. Das sind die ersten globalen Rentenmarktstrategien, die völlig in Einklang mit der EU-Regulierung zu Paris-konformen Geldanlagen stehen. Sie werden als Maßstab für andere Rentenmarktportfolios, einschließlich quantitativer Strategien, dienen.

„Ziel für beide Strategien ist es, ihre gewichtete CO2-Intensität pro Jahr um 7 % zu senken und die Performance ihrer Paris-konformen Benchmarks zu übertreffen. Dabei werden die Treibhausgasemissionen der Bereiche 1, 2 und 3 berücksichtigt. D. h., wir werden sämtliche Emissionen berücksichtigen: direkte und indirekte, einschließlich der von der Lieferkette jedes Unternehmens erzeugten Emissionen.“

Arnoud Klep: „Im Bereich quantitative Aktienstrategien wollen wir mehrere unserer nachhaltigen Strategien in den nächsten Monaten Paris-konform machen. Als erste ist eine unserer Global Sustainable Conservative Equity-Strategien an der Reihe, für die wir bereits den Kundenabstimmungsprozess abgeschlossen und die Zustimmung der betreffenden Kunden erhalten haben.“

„Diese Strategie wird bereits im März 2021 ‚Paris-konform‘ werden. Die wichtigste Änderung wird offensichtlich ein wesentlich strengeres Ziel für den Abbau von CO2-Emissionen sein. Zurzeit gilt für unsere nachhaltigen quantitativen Aktienstrategien ein Reduzierungsziel von 20 % gegenüber dem Referenzindex. Zunächst würden wir eine Reduzierung um 50 % umsetzen. Darüber hinaus würden wir eine Verringerung der CO2-Emissionen um 7 % in jedem darauf folgenden Jahr anstreben.“

Gut. Wie aber gehen Sie den CO2-Emissionsabbau in der Praxis an?

G.M.: „Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten. Die erste Möglichkeit ist, nicht mehr in bestimmte Unternehmen zu investieren, deren Geschäftstätigkeit mit dem Ziel der Klimaneutralität nicht zu vereinbaren ist. Das bedeutet z. B. den vollständigen Ausschluss von Unternehmen, die fossile Brennstoffe erzeugen. Man würde nach wie vor in andere Sektoren investieren können. Deren Emissionen müssten aber jährlich um durchschnittlich 7 % zurückgehen, um weiterhin in sie investieren zu können.“

In unseren nachhaltigen quantitativen Aktienstrategien haben wir die Positionen im Energiesektor bereits reduziert. Die Beschränkungen werden aber verschärft, wenn diese Strategien Paris-konform werden

A.K.: „Um Ihnen ein Beispiel zu geben: In unseren nachhaltigen quantitativen Aktienstrategien haben wir die Positionen im Energiesektor bereits reduziert. Die Beschränkungen werden aber verschärft, wenn diese Strategien Paris-konform werden. Unternehmen, die mit Kraftwerkskohle zu tun haben, werden ausgeschlossen. Das gilt auch für die meisten Öl- und Gasunternehmen, insbesondere für die großen Ölkonzerne. Beschränkungen für Stromversorger werden ebenfalls deutlich strenger.“

Gut. Wären solche Beschränkungen denn für alle unsere Portfolios realistisch?

G.M.: „Auf kurze Sicht wäre es nahezu unmöglich, von einem Tag auf den anderen in allen Portfolios Investments in Unternehmen aufzulösen, die fossile Brennstoffe erzeugen. Ob das Ziel einer jährlichen Reduzierung um 7 % auf längere Sicht erreicht wird, hängt vor allem davon ab, welchen Weg zur Klimaneutralität wir gemeinsam einschlagen. Wenn Unternehmen ihre Emissionen nicht im erforderlichen Umfang abbauen, wird es zusätzliche Beschränkungen geben.“

A.K.: „Wenn es uns als Weltgemeinschaft gelingt, unsere Treibhausgasemissionen im Lauf der Zeit zu verringern, dann wird das Reduzierungsziel von 7 % möglicherweise nie zu einer ernsthaften Beschränkung für die Auswahl von Aktien und Anleihen. Wenn Unternehmen dies aber nicht schaffen, müssen Assetmanager für Ausgleich sorgen. Und dann kann es schwieriger werden, das Reduzierungsziel von 7 % zu erreichen.“

Eine Möglichkeit, wie wir den Übergang zur Klimaneutralität unterstützen können, ist durch Interaktion mit Unternehmen

G.M.: „Eine Möglichkeit, wie wir den Übergang zur Klimaneutralität unterstützen können, ist durch Interaktion mit Unternehmen. Eine weitere Möglichkeit ist der Ausgleich von Treibhausgasemissionen z. B. durch CO2-Abscheidung oder -Speicherung, durch Aufforstung oder einfach nur durch eine nachhaltigere Landwirtschaft. Diese Optionen sind aber alle mit Herausforderungen und Beschränkungen verbunden. Und es gibt keine Patentlösung.“

Die Dekarbonisierung von Portfolios wird sich zwangsläufig auf deren Profil auswirken. Mit welchen Folgen sollten Anleger rechnen?

G.M.: „Im Rentenbereich weisen unsere Tests darauf hin, dass das Risiko-Rendite-Profil von Portfolios praktisch unverändert bleiben oder sogar besser werden sollte. Die Dekarbonisierung würde zu niedrigeren Renditen, aber auch zu noch geringeren Risiken und damit zu besseren Sharpe-Ratios führen. Ein Grund dafür ist, dass der Energiesektor in letzter Zeit wegen seiner relativ hohen Korrelation zu den Ölpreisen zu den volatilsten Sektoren gehörte. Durch den Ausschluss von Unternehmen aus dem Bereich fossile Brennstoffe verringert man unter den derzeit herrschenden Bedingungen also automatisch die Volatilität.“

A.K.: „Für Quantitative Equity-Strategien zeigen unsere Simulationen, dass wir Paris-konforme Portfolios zusammenstellen können, die immer noch eine starke Positionierung in Faktoren ermöglichen. Theoretisch sollte eine Begrenzung des Chancen-Spektrums gewisse Kosten in Bezug auf die Performance mit sich bringen. Und das stellen wir auch tatsächlich fest. In einem globalen Anlageuniversum mit einer Fülle von Anlagechancen halten sich die Folgen allerdings in Grenzen: Paris-konforme quantitative Aktienstrategien könnten im Vergleich zu ihren herkömmlichen Pendants ca. 90-95 % des Risiko-Rendite-Potenzials erfassen.“

„Allerdings basieren diese Simulationen auf bisherigen Aktienkursen und folglich auf der Annahme, dass es kein zusätzliches Alpha-Potenzial bringt, eine Strategie Paris-konform auszurichten. Wenn mit dem Klimawandel verbundene Risiken wie z. B. so genannte ‚gestrandete Vermögenswerte‘ oder Überleitungsrisiken zunehmen und zum Tragen kommen, dann reden wir nicht mehr über die negativen Auswirkungen einer Umstellung auf Paris-Konformität, sondern über deren positive Folgen. Es geht also um die Perspektive.“

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