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A-Aktien sind vermutlich der beste Ort für aktive Anleger

A-Aktien sind vermutlich der beste Ort für aktive Anleger

06-04-2020 | Einblicke
Während China allmählich die Coronavirus-Krise in den Griff bekommt, halten inländische Anleger bereits Ausschau nach Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung. Dabei ist wichtig, diesbezüglich die kurzfristige Entwicklung im Auge zu behalten. Noch wichtiger aber ist es, auf die langfristigen Trends zu achten, die den Markt für A-Aktien prägen.
  • Jie Lu
    Jie
    Lu
    Head of Investments China
  • Yann Morell Y Alcover
    Yann
    Morell Y Alcover
    Investment Writer

In aller Kürze

  • Chinas Markt für A-Aktien bietet bedeutende Möglichkeiten, Alpha zu generieren
  • Die Berücksichtigung von ESG-Kriterien ist dort ebenso wichtig wie an anderen Märkten
  • Langfristige Themen und Qualitätsunternehmen stehen im Fokus

Daher setzt die Robeco Chinese A-Share Equities-Strategie, die kürzlich mit einer annualisierten Überschussrendite von 14 % (nach Abzug von Gebühren) gegenüber dem MSCI China A International Index1 ihren dritten Jahrestag gefeiert hat, bei der Suche nach den attraktivsten Aktien auf einen strengen, themenorientierten Auswahlansatz, erläutert Jie Lu, Leiter des China-Research bei Robeco.

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In den letzten Jahren haben sich chinesische Aktien zur Musik mehrerer, teils gegensätzlicher Kräfte bewegt, die die Fundamentaldaten beeinflussen. Dazu gehören der Handelskonflikt zwischen China und den USA, weitreichende Regulierungsänderungen, eine Wachstumsverlangsamung und die anschließende Erholung. Welche dieser Kräfte hatten Ihrer Ansicht nach den stärksten Einfluss?

„Alle von Ihnen genannten Kräfte hatten erheblichen Einfluss – nur eben nicht gleichzeitig. 2016 ging Chinas BIP auf unter 7 % zurück, wodurch die Grenzen des auf Schulden basierenden Entwicklungsmodells aufgezeigt wurden. Gegen Ende 2017 und 2018 unternahmen die Behörden wichtige Schritte wie angebotsseitige Reformen und Maßnahmen zur Eindämmung des Schattenbankensystems, um Überkapazitäten und Schulden abzubauen.“

„Doch dann kam der Handelskrieg mit den USA, der sich 2019 deutlich verschärfte und schließlich Anfang dieses Jahres zur Unterzeichnung eines ersten Teilabkommens führte. Dieser Konflikt hatte schwere wirtschaftliche Folgen für China und insbesondere für den Technologiesektor des Landes. Die Antwort der Behörden war, zur Stützung und Stabilisierung der Wirtschaft auf einen eher akkommodierenden geldpolitischen Kurs einzuschwenken.“

Wie investieren Sie unter diesen Rahmenbedingungen?

„Wir wählen Aktien im Wesentlichen nach einer Bottom-up-Methode unter Fokussierung auf Fundamentaldaten aus und haben einen langfristigen Anlagehorizont. Wir gehen von einem 3.000 bis 4.000 Aktien umfassenden Anlageuniversum aus, das wir durch Konzentration auf langfristige Anlagethemen verkleinern. Im nächsten Schritt suchen wir nach Qualitätsunternehmen mit starken Fundamentaldaten, die von diesen Themen profitieren sollten.“

„Außerdem integrieren wir Nachhaltigkeit von Anfang an in den Anlageprozess. Unsere Analyse von ESG-Profilen erstreckt sich auf sämtliche Portfolio-Positionen und auf über 70 % der in unserem weiter gefassten Anlageuniversum enthaltenen Aktien. Dabei nutzen wir Robecos globales Rahmenkonzept, das auf die Besonderheiten des chinesischen Aktienmarkts zugeschnitten ist.”

Ein themenbasierter Ansatz ist für den chinesischen Aktienmarkt besonders relevant; denn er hilft uns, uns auf die strukturellen Antriebskräfte des Wirtschaftswachstums zu konzentrieren

„Ein solcher themenbasierter Ansatz ist für den chinesischen Aktienmarkt besonders relevant; denn er hilft uns, uns in einem weitgehend von kurzfristig orientierten und für Übertreibungen und Überreaktionen anfälligen Kleinanlegern beherrschten Markt auf die strukturellen Antriebskräfte des Wirtschaftswachstums zu konzentrieren. An unseren Schwerpunktthemen hat sich in den letzten vier Jahren übrigens nichts geändert: Übergang zu höherwertigem Konsum, Modernisierung der Industrie, Technologie und Innovation sowie Strukturreformen.“

„Das heißt nicht, dass wir auf eher taktische Schritte verzichten. Während des Handelskonflikts mit den USA haben wir bspw. die Zusammensetzung des Portfolios geändert: weg von Technologie-Unternehmen und hin zu eher defensiven Sektoren. Und danach haben wir allmählich Positionen in Technologie-Unternehmen aufgebaut, die davon weniger getroffen würden, z. B. entlang der Lieferketten für Solarzellen und für durch neue Energien angetriebene Fahrzeuge.“

Was waren die wichtigsten Faktoren, die seit Auflegung der Strategie zu deren deutlich überdurchschnittlicher Performance beigetragen haben?

„Rückblickend zeigt sich klar, dass die Einzeltitelauswahl in den letzten drei Jahren maßgeblich zur Generierung von Alpha beigetragen hat. Das ist ein wirklich schlagkräftiges Argument für eine themenorientierte Aktienauswahl und einen von einer Benchmark unabhängigen, auf einer Bottom-up-Methode beruhenden Investmentansatz wie den unseren.“

Der Handelskonflikt zwischen China und den USA ist zwar zu Beginn dieses Jahres auf Eis gelegt worden, könnte aber jederzeit wieder ausbrechen. Wie beurteilen Sie dieses Risiko für langfristig orientierte Anleger?

„Ich sehe das erste Teilabkommen schon als großen Erfolg an. Ein weitergehendes Abkommen zu erreichen, wird viel schwieriger werden, weil es in den Verhandlungen dann um sehr heikle Themen wie geistige Eigentumsrechte gehen wird. Deshalb bin ich sehr vorsichtig, was ein solches weitergehendes Abkommen betrifft. Ich denke, uns steht ein lange dauernder Konflikt zwischen zwei Supermächten bevor.“

„Davon abgesehen hat die Konfrontation mit den USA – insbesondere mit Blick auf Huawei – China veranlasst, einen ‚Plan B‘ aufzustellen, um das Land vor zukünftigen Handelsspannungen zu schützen. China entwickelt inzwischen zunehmend eigene Technologien in Bereichen wie der Halbleiterfertigung und der Künstlichen Intelligenz oder für Hybrid- und Elektrofahrzeuge. Dieser ‚Plan B‘ hat positive Folgen für Anleger, weil viele Unternehmen von den damit verbundenen Investitionen profitieren werden.“

Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten langfristigen Katalysatoren für chinesische Aktien?

„Das sind ganz klar die bereits erwähnten Themen: Übergang zu höherwertigem Konsum, Modernisierung der Industrie, Technologie und Innovation sowie Strukturreformen. Hinzu kommt aber ein weiterer, grundlegender Faktor: die Öffnung des Markts für A-Aktien für ausländische Anleger. Vor allem die Aufnahme von A-Aktien in die Schwellenländer-Indizes von MSCI hat seit 2017 zu deutlich höheren Mittelzuflüssen in diesen Markt geführt.

„Und diese Mittelzuflüsse haben sich bereits erheblich auf die Performance unterschiedlicher Anlagestile ausgewirkt. Seit 2017 hat es eine Neubewertung von Qualitätsaktien mit soliden Fundamentaldaten gegeben. Diese Aktien haben in den letzten Jahren eine sehr gute Performance erreicht; denn ihr Profil entspricht dem, was ausländischen – hauptsächlich institutionellen – Investoren, die häufig einen langfristigen, auf Fundamentaldaten basierenden Ansatz verfolgen, normalerweise gefällt.“

„Die meisten inländischen Anleger übersehen diese Aktien, weil sie normalerweise keine besonders guten Wachstumsaussichten zu bieten haben. Natürlich definieren inländische chinesische Anleger Wachstum etwas anders, als ausländische Anleger dies normalerweise tun. Was in Europa oder in den USA vielleicht als kräftiges Wachstum angesehen wird, gilt in China oft nur als durchschnittlich.“

„Neben dem kurzfristigen Neubewertungseffekt sollte sich diese Marktöffnung aber auch langfristig auswirken, weil die derzeit niedrige Beteiligungsquote ausländischer, überwiegend professioneller Anleger allmählich auf ein ähnliches Niveau wie in Südkorea und Taiwan zusteuert, wo es in vergangenen Jahrzehnten eine vergleichbare Marktöffnung gab.“

Eine bedeutende Folge der Aufnahme chinesischer A-Aktien in Schwellenländer-Indizes von MSCI ist die Zunahme passiv gemanagter, in A-Aktien angelegter Gelder. Wie heben Sie sich als aktiver Assetmanager von der Masse ab?

„Wegen der beträchtlichen Ineffizienz des Markts für A-Aktien ist passives Anlagemanagement hier sicher nicht die beste Lösung. Die umfangreiche Beteiligung von Kleinanlegern, die oft kurzfristig orientiert sind und sich von den Nachrichten stark beeinflussen lassen, aber auch häufige Regulierungsänderungen haben zur Folge, dass zu viele Marktteilnehmer Fundamentaldaten nicht genügend beachten. Deshalb bieten sich geduldigen und rigorosen aktiven Assetmanagern riesige Möglichkeiten, Alpha zu generieren. A-Aktien sind vermutlich der beste Ort für aktive Anleger; denn kein anderer Markt vergleichbarer Größe und Liquidität bietet so riesige Möglichkeiten, Alpha zu generieren. Warum also sollte man in passiv gemanagte ETFs investieren?

A-Aktien sind wahrscheinlich der beste Ort für aktive Anleger; denn kein anderer Markt vergleichbarer Größe und Liquidität bietet so riesige Möglichkeiten, Alpha zu generieren

Oft bekommen wir zu hören, dass die Ineffizienz des Markts für A-Aktien damit zusammenhängt, dass die Handelsströme weitgehend von Kleinanlegern dominiert werden. Ist das immer noch so?

„Ja, auf jeden Fall. Und das ist sehr interessant, weil es Anlegern einen weiteren Grund liefert, in A-Aktien zu investieren, nämlich ihre geringe Korrelation zu anderen globalen Aktienmärkten. Ich denke, das hat sich vor kurzem recht eindrucksvoll gezeigt: Als die globalen Märkte auf rasante Talfahrt gingen, gerieten auch A-Aktien unter Druck, aber in weitaus geringerem Maße.“

Obwohl der Covid-19-Ausbruch große Bereiche von Chinas Wirtschaft in den ersten Monaten dieses Jahres stillgelegt hat, haben sich chinesische A-Aktien tatsächlich als relativ widerstandsfähig erwiesen. Wie erklären Sie sich das?

„Dafür gibt es mehrere Gründe. Erstens unterscheiden sich die Geldströme von denen an anderen großen Aktienmärkten, weil die Anlegerschaft eine andere ist. Dies erklärt die relativ geringe Korrelation von A-Aktien mit anderen Aktienmärkten. Im Vergleich dazu scheinen in Hongkong notierte chinesische Aktien für externe Schocks weitaus anfälliger zu sein.“

„Zweitens wurde China deutlich früher von der Coronavirus-Krise getroffen als Europa und die USA. Die Kurse chinesischer A-Aktien fielen in den ersten Wochen dieses Jahres, als US-Aktien immer noch auf Rekordstände kletterten. Als sich Anfang März an den globalen Aktienmärkten Panik breit machte, verbesserte sich die Lage in China schon wieder, und A-Aktien erreichten allmählich eine bessere Performance als die Aktienmärkte in den USA und Europa.“

„Und drittens sind chinesische Anleger nach wie vor optimistisch, was die Fähigkeit der Regierung des Landes angeht, die Krise zu bekämpfen und die Konjunktur wieder in Gang zu bringen. Besonders zuversichtlich sind Anleger in Bezug auf chinesische Technologieunternehmen, weil diese nach ihrer Überzeugung weniger unter der Pandemie zu leiden haben werden als eher traditionelle Unternehmen und weil Chinas Regierung im Rahmen ihres ‚Plans B‘ weiter in technologieorientierten Sektoren investieren wird.“

Worauf sollten Anleger in den nächsten Monaten ihren Blick richten?

„Wir sind langfristig orientierte Investoren. Deshalb bleiben wir natürlich bei den Themen, die bei uns in den letzten Jahren im Fokus standen. In näherer Zukunft werden wir aber sehr genau beobachten, welche Konjunkturmaßnahmen die chinesischen Behörden auf den Weg bringen. Diese zielen hauptsächlich darauf ab, Infrastrukturinvestitionen zu steigern und eine Erholung des Konsums zu unterstützen.“

„Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der näheren Zukunft darauf, die am besten aufgestellten Unternehmen zu finden, die überleben werden. Im Zuge der Überwindung der Krise in China wird es bedeutende Konsolidierungsmöglichkeiten geben, von denen wir profitieren wollen. Besonders interessiert sind wir dabei an Unternehmen mit grundsoliden Bilanzen, stabilen Cashflows und starken Marken, die die Konsolidierung vorantreiben können.“

„Wir gehen davon aus, dass wir durch Auswahl von Aktien hoher Qualität, die zu angemessenen Kursen zu haben sind, weiter Alpha werden generieren können.“

1Die Performance ist in US-Dollar und nach Abzug von Gebühren angegeben; Stand 29. Februar 2020. Von der bisherigen Wertentwicklung kann nicht auf die zukünftige geschlossen werden.

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