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Fakt oder Irrtum: Nachhaltige Anlagen funktionieren nicht in den Schwellenländern

Fakt oder Irrtum: Nachhaltige Anlagen funktionieren nicht in den Schwellenländern

08-08-2018 | Einblicke

Nachhaltige Investments sind in den entwickelten Ländern fest etabliert. Allerdings bezweifeln manche Leute, dass das Konzept auch in Schwellenländern funktioniert, die mit größeren Problemen zu tun haben. Jedoch zeigt die Erfahrung, dass die Schwellenmärkte sowohl erhebliche Anlagechancen als auch ein eigenständiges Profil im Hinblick auf ESG-bezogene Risiken und Herausforderungen aufweisen

  • Guido Moret
    Guido
    Moret
    Head of Sustainability Integration Credits
  • Masja Zandbergen - Albers
    Masja
    Zandbergen - Albers
    Head of sustainability integration

In aller Kürze

  • ESG-Aspekte werden in den Schwellenländern weit weniger berücksichtigt 
  • Dennoch ist es möglich, Aktien und Anleihen nachhaltiger Emittenten zu finden 
  • Verbesserte Governance und Impact Investing sind ebenfalls hilfreich

Zu den Umweltgefahren zählen die rapide Verstädterung und die Abholzung der Wälder. Gleichzeitig sorgt der Fortbestand von Kinder- oder Sklavenarbeit neben schlechter Bezahlung für soziale Probleme. Außerdem gehen mit dem hohen Anteil staatlicher oder einzelner privater Eigentümer an den Unternehmen Probleme auf Governance-Ebene einher. Einige aufstrebende Länder können nicht einmal ihre eigene Bevölkerung angemessen ernähren, geschweige denn Solarkraftwerke oder Elektroautos einführen.

Das Bewusstsein für die geringe Rolle von Nachhaltigkeit in Asien beispielsweise spiegelt sich in Zahlen der Global Sustainable Investments Alliance wider. Demnach entfielen von den insgesamt 22,9 Billionen US-Dollar, die von deren Mitgliedern Ende 2016 investiert waren, lediglich 52 Mrd. oder 0,2 % auf Asien außerhalb Japans. 1  

Hat es also überhaupt einen Zweck, in diesen Regionen nachhaltig zu investieren? Tatsächlich machen es die genannten Probleme bei der Bildung von Schwellenland-Portfolios umso wichtiger, ESG-Aspekte zu berücksichtigen. Dabei kommt es besonders darauf an zu wissen, wo nach positiven Entwicklungen Ausschau zu halten ist.  

Dies hat sogar noch einen größeren Effekt: Untersuchungen zeigen, dass die Berücksichtigung von ESG-Aspekten in Schwellenländern in 65 % der Fälle einen positiven Effekt auf die finanzielle Entwicklung der Unternehmen hat, während es in den entwickelten Staaten lediglich 38 % sind. Dabei zeigte sich, dass die Konzentration auf den Aspekt Governance den größten Effekt erzielt.2

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Grafik 1: Zusammenhang zwischen ESG und dem Geschäftserfolg von Unternehmen

Quelle: Friede et al (2015)

Eine Möglichkeit, stärker nachhaltige Schwellenlandfonds zu schaffen, besteht in einem quantitativen Ansatz mittels Factor Investing. Erörtert wurde dies in einem 2017 erschienenen Whitepaper des quantitativen Aktien-Teams von Robeco mit dem Titel „Going for green alpha in emerging markets“. In der Praxis geschieht dies durch Bildung eines Portfolios, das um 20 % nachhaltiger als die Benchmark ist, indem der Wasserverbrauch, die CO2-Emissionen und der Energieverbrauch der darin enthaltenen Unternehmen um 20 % geringer ausfällt. Außerdem wird bei diesem Ansatz eine umfangreiche wertebasierte Ausschlussliste verwendet, die Unternehmen aus Bereichen wie Kohle, Tabak, Glücksspiel und Schusswaffen ausschließt.3

Wichtig kann auch die Kombination unterschiedlicher Strategien für Schwellenlandaktien sein. Dabei kann sowohl ein fundamentaler Ansatz, der auf traditionelle ESG-Aspekte ausgerichtet ist, verwendet werden als auch ein quantitativer Ansatz, der auf Faktoren wie Low Volatility abzielt, da in einigen Marktsegmenten dasselbe Ertragspotential bei geringerem Risiko zu finden ist. Erörtert wird dies in einem anderen Whitepaper von Robeco: „Combining quant and fundamental to diversify your emerging market equity portfolio“.4

Anleihen aus Schwellenländern im Visier

Um gut begründete Anlageentscheidungen treffen zu können, ist die Beschaffung ausreichender Daten unverzichtbar. Das Emerging Markets-Team von Robeco hat eine umfangreiche Datenbank aufgebaut, anhand derer bei der Portfoliokonstruktion Risiken und Chancen beurteilt werden können. Dabei werden Top-Down-Faktoren zur Länderanalyse und Bottom-Up-Kriterien zur Auswahl der besten Wertpapiere verwendet.  

Bei der Top-Down-Analyse verwendet das Team das Country Sustainability Ranking (CSR) von RobecoSAM. In diesem zweimal jährlich erstellten Report werden mehrere Faktoren betrachtet, die speziell für Schwellenländer gelten. Dazu gehören die Anfälligkeit für Korruption, das Ausmaß innenpolitischer Konflikte, die relative Freiheit der Presse und die Anfälligkeit der Wirtschaft für Preisschwankungen bei Rohstoffen wie z.B. Öl. Enthalten sind ein alle Länder umfassender Index und ein spezieller Index für die Emerging Markets. Die drei Länder mit dem niedrigsten Country Sustainability Ranking im Oktober 2017 waren Nigeria, Pakistan und Venezuela. Die besten Ratings dagegen wiesen Singapur, Hongkong und Tschechien auf.5

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Verbesserte Corporate Governance

Ein Bereich, in dem nachhaltige Investments zu einer Verbesserung geführt haben, ist die Corporate Governance in Asien. Robeco hat sich schon seit langem bei den Unternehmen in seinen Portfolios dafür eingesetzt, Probleme wie den Mangel an Frauen oder unabhängigen Direktoren in den Führungsgremien sowie die unangemessene Behandlung von Minderheitsaktionären anzugehen. Wie Robeco im Oktober 2017 berichtete, sind die Verbesserungen bei der Corporate Governance in Japan und Südkorea so greifbar, dass die Aktienbewertungen dort steigen dürften.6

Unterdessen hat die freiwillige Einführung von Stewardship Codes in Asien, die auf eine stärker aktive Aktionärsrolle abzielen, das Ausmaß der Engagements auf Unternehmensebene und der Abstimmungen auf Hauptversammlungen erhöht sowie zum Ausschluss von Unternehmen geführt, die keine Mindestanforderungen erfüllen. Dies hat zu einer generellen Anhebung der Standards geführt.

Das letzte Wort sollten vielleicht die Autoren eines einflussreichen Researchpapiers des ESG-Datenanbieters Sustainalytics haben, das den Titel „Bridging the gaps: effectively addressing ESG risks in emerging markets“ trägt. „Die Schwellenländer bieten sowohl erhebliche Anlagechancen als auch ein eigenständiges ESG-Profil in Bezug auf Risiken und Herausforderungen“, so die Autoren.

„Obwohl die Anleger die ESG-Risiken in den Schwellenländern allgemein für höher erachten als in den entwickelten Staaten, verwenden sie bei Anlagen in den Emerging Markets verantwortungsbewusste Strategien in geringerem Umfang. Doch kann sich die Berücksichtigung von ESG-Risiken gerade in den Schwellenländern besonders für Anleger lohnen, die ihr Portfoliorisiko reduzieren wollen oder nach Anlagechancen Ausschau halten.“ 7

1 Global Sustainable Investment Alliance, 2017 Review
2 Gunnar Friede, Timo Busch & Alexander Bassen, ‘ESG and financial performance: aggregated evidence from more than 2000 empirical studies’, Journal of Sustainable Finance and Investment, November 2015.
3 Wilma de Groot und Tim Droge, ‘Going for green alpha in emerging markets’, 2017
4 Fabiana Fedeli und Wilma de Groot, 'Combining quant and fundamental to diversify your emerging market equity portfolio’, 2017
5 Mehr Informationen darüber, wie das Country Sustainability Ranking zustande kommt finden Sie unter
6Interview with Arnout van Rijn, Chief Investment Officer for Robeco Asia-Pacific Equities, October 2017
7 Andrea van Dijk, Lotte Griek und Chloe Jansen: „Bridging the gaps: effectively addressing ESG risks in emerging markets“, hrsg. von Sustainalytics, 2012

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