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 China hat bei einem Handelskrieg mehr zu verlieren als die USA

China hat bei einem Handelskrieg mehr zu verlieren als die USA

09-07-2018 | Monatsausblick

Nachdem nun ein ernsthafter Handelskrieg begonnen hat, werden Einfuhrzölle China stärker treffen als die USA, warnt der Chefvolkswirt von Robeco, Léon Cornelissen.

In aller Kürze

  • Mit der Erhebung von Zöllen auf chinesische Importgüter durch Trump eskaliert der Handelskrieg
  • China hat nur begrenzte Möglichkeiten, auf dieselbe Weise zu antworten
  • Sorgen bereiten die Abwertung des Yuan, Kapitalabflüsse und Kursrückgänge an den Börsen
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Am 6. Juli belegte US-Präsident Donald Trump chinesische Importgüter aus Bereichen wie Maschinenbau und Elektronikbauteile im Volumen von 34 Mrd. US-Dollar mit einem Einfuhrzoll von 25 %. China reagierte mit ähnlich hohen Zöllen, die auf US-Agrarprodukte wie Sojabohnen abzielen, um im Vorfeld der Kongress-Zwischenwahlen im November solche Bundesstaaten zu treffen, deren Bevölkerung Präsident Trump mehrheitlich unterstützt.

„Gesamtwirtschaftlich betrachtet haben diese Zölle nur geringe Bedeutung, da sie lediglich 0,1 % der Wirtschaftsleistung beider Länder betreffen“, sagte Cornelissen bei der Vorstellung des neuesten Monatsausblicks von Robeco Investment Solutions. „Allerdings haben die Vereinigten Staaten bereits angekündigt, dass sie auf chinesische Vergeltungsmaßnahmen mit weiteren solchen Schritten reagieren werden, wodurch sich das Risiko eines globalen Handelskriegs erhöht. Präsident Trump hat angedroht, die Einfuhrzölle auf fast alle in die USA importierten Güter auszudehnen, die derzeit ein Volumen von rund 500 Mrd. US-Dollar ausmachen.“

„China kann keine Gegenmaßnahmen in derselben Größenordnung treffen, da die Importe aus den USA absolut gesehen wesentlich niedriger sind. Stattdessen wird es den Konflikt wahrscheinlich dadurch verschärfen, dass es US-Unternehmen die Geschäftstätigkeit in China erschwert. In Erwartung dieser Verschärfung des Handelskriegs hat China eine Abwertung des Yuan um 3 % zugelassen.

Sorgen um Kapitalabflüsse

„Aus unserer Sicht stellt es ein Warnsignal dar, wenn die chinesische Regierung glaubt, dass sie die 25%igen Zölle durch eine Abwertung des Yuan leicht ausgleichen kann. Wir erwarten keine weitere Abwertung, da dies nicht in den wirtschaftlichen Interessen Chinas läge.“

„Wenn die Nervosität im Hinblick auf die zukünftige Wechselkursentwicklung zunimmt, könnten die Kapitalabflüsse ohne weiteres steigen, was eine Straffung der Geldpolitik in China in Form höherer Zinsen und strengerer Kapitalverkehrskontrollen erfordern würde. Dies würde den Plänen der chinesischen Regierung zuwiderlaufen, den Kapitalverkehr weiter zu liberalisieren und den Yuan international zu etablieren. Daher würde ein verschärfter Kurs einen Rückschritt darstellen."

„Außerdem wird die chinesische Wirtschaft bereits durch eine Straffung der Rahmenbedingungen für die Kreditvergabe geschwächt, sodass jede Zinserhöhung kontraproduktiv wirken würde. Tatsächlich bräuchte die chinesische Wirtschaft eher eine Lockerung der Geldpolitik. An den Finanzmärkten herrscht die Auffassung, dass chinesische Aktien angesichts der Sorgen um einen Rückgang des Wirtschaftswachstums bereits in eine Bärenmarktphase eingetreten sind."

„Demnach erscheint vorerst China als der primäre Verlierer in diesem Konflikt. Dagegen zeigen die Zahlen für Juli, dass die US-Konjunktur weiter an Stärke gewonnen hat, worauf der Anstieg der ISM-Frühindikatoren sowohl im Produzierenden Gewerbe als auch im Dienstleistungsbereich hindeutet. Der amerikanische Aktienmarkt hat bisher kaum auf das Gerede von einem Handelskrieg reagiert, da die Auswirkungen auf die USA begrenzt sind.

Ein weiterreichender Plan

Ein Handelskrieg könnte Teil eines weiterreichenden Planes sein, der Machtausweitung Chinas auf globaler Ebene entgegenzutreten, meint Cornelissen. „Einige Mitglieder der US-Regierung machen sich Sorgen um die zunehmende technologische Dominanz Chinas und wollen das Vorhaben "Made in China 2025" durchkreuzen, mit dem die chinesische Regierung in zentralen Technologiebereichen bis zum genannten Jahr die globale Vorherrschaft anstrebt.“

„Sie wollen also den Aufstieg Chinas mit allen Mitteln bremsen. Es gibt Möglichkeiten, dies auch jenseits von Einfuhrzöllen zu tun, beispielsweise durch Verbot chinesischer Investitionen in Bereichen der US-Wirtschaft, die als strategisch wichtig gelten, durch Begrenzung der Visumvergabe für chinesische Studenten usw.“

Allerdings bestehen auch Risiken für die USA. „Die direkten Auswirkungen der Erhebung von Zöllen auf US-Importe durch China sind zwar begrenzt. Jedoch kann es zu einer ganzen Reihe indirekter Effekte kommen, die schwerer zu messen sind, beispielsweise eine etwas höhere Inflation, niedrigeres Wachstum und das Risiko eines sinkenden Vertrauens in der Industrie“, sagt Cornelissen.

„Einige Unternehmen haben gegenüber der US-Notenbank bereits signalisiert, dass sie Investitionsentscheidungen aufgeschoben haben. Außerdem können die Einfuhrzölle natürlich auch die globalen Zulieferketten auf schwer zu prognostizierende Weise beeinträchtigen, was sich auch zulasten der USA auswirken könnte.

Zweite Front gegenüber der EU

Unterdessen tut sich eine weitere Front gegenüber der Europäischen Gemeinschaft auf. Nachdem US-Präsident Trump Zölle auf die Einfuhr von Stahl und Aluminium aus der EU, China und Kanada angekündigt hatte, schlugen alle drei mit Zöllen auf US-Importe zurück. Im Gegenzug haben die Vereinigten Staaten nun damit gedroht, europäische Autos mit einem Zoll von 20 % zu belegen, da Präsident Trump der Ansicht ist, dass in den USA zu viele BMWs und Mercedes herumfahren. Auch hierbei handelt es sich nicht um eine Einbahnstraße: der legendäre amerikanische Motorradhersteller Harley-Davidson reagierte mit der Ankündigung einer Ausweitung der Produktion in Europa, um den höheren Kosten bei einem Import aus den USA zu entgehen.

Angesichts der vielfältigen Unsicherheiten ist Robeco Investment Solutions in seinen Multi-Asset-Fonds von einer übergewichteten zu einer neutralen Position bei Aktien übergegangen. Dabei sind Aktien aus den Emerging Markets gegenüber Börsentiteln aus entwickelten Ländern untergewichtet. Doch möglicherweise zeichnet sich ein Silberstreif am Horizont ab.

„Eine Dämpfung der optimistischen Anlegerstimmung könnte ironischerweise US-Staatsanleihen und dem Dollar zugutekommen, die traditionell als sicherer Hafen gelten“, meint Cornelissen. „Sogar US-Aktien könnten profitieren, da sie am globalen Aktienmarkt als relativ sicher angesehen werden. Demnach besteht für die USA eine Art pervertierter Anreiz."

„Präsident Trump hat zumindest gezeigt, dass er für Signale seitens des Aktienmarkts empfänglich ist. Für Anleger ist das ein beruhigender Gedanke für den Fall, dass es an den Börsen abwärts geht.“

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