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Dialog mit Minenunternehmen angesichts steigenden Mineralienbedarfs

Dialog mit Minenunternehmen angesichts steigenden Mineralienbedarfs

09-08-2021 | Einblicke
Die Minenbranche steht vor der Herausforderung, nachhaltiger zu werden, während die Nachfrage nach Metallen und Mineralien steigt.
  • Cristina Cedillo Torres
    Cristina
    Cedillo Torres
    Engagement Specialist
  • Sylvia van Waveren
    Sylvia
    van Waveren
    Engagement Specialist

In aller Kürze

  • Zunehmendes Bewusstsein für die Notwendigkeit der Schonung von Wasserressourcen im Bergbau
  • Unterschiedliche Erfolge bei den Vorhaben zur Verbesserung der Sicherheit von Absetzbecken
  • Verschiedenen Ansätze zur Stilllegung von Minen stoßen auf komplexe Gegebenheiten

Es gibt ein zunehmendes Bewusstsein für die Verantwortlichkeit hinsichtlich des Wasserverbrauchs, der Sicherheit und der Wiederherstellung der Umwelt, sagt Engagement Specialist Cristina Cedillo Torres.

Das Active Ownership-Team von Robeco hat das erste Jahr seines dreijährigen Programms zum Dialog mit 13 führenden Bergbauunternehmen zwecks verbesserter Standards absolviert. Die Branche ist von entscheidender Bedeutung für die Deckung der wachsenden Nachfrage nach Metallen und Mineralien, welche für CO2-arme Lösungen benötigt werden – beispielsweise Kobalt und Lithium für die Batterien von Elektroautos. 

Der Minensektor ist jedoch mit Problemen konfrontiert wie zum Beispiel fatalen Dammbrüchen an Absetzbecken, die die Abfallprodukte des Minenbetriebs enthalten, außerdem übermäßigem Wasserverbrauch und unzureichender Wiederherstellung der Umwelt nach Beendigung der Bergbauaktivitäten. 

„Während die Welt vor der Herausforderung zum Übergang zu einer CO2-armen Wirtschaft steht, führen umweltfreundliche Technologien zu einem Nachfrageboom bei Materialien wie Aluminium, Kupfer und Nickel“, sagt Cristina Cedillo Torres. „In anderen Worten: das Fundament der Energiewende werden Metalle und Mineralien sein.“

„Der zunehmende Bedarf bringt in Erinnerung, dass Bergbauaktivitäten häufig erhebliche negative Folgen auf natürliche Landschaften haben, Ökosysteme zerstören und knappe Wasserressourcen zum Nachteil der lokalen Bevölkerung abzweigen. Als verantwortungsbewusste Investoren in der Bergbaubranche zielen wir mit unserem Dialogprogramm darauf ab, die Unternehmen, an denen wir beteiligt sind, zur Minimierung der Umweltfolgen ihrer Aktivitäten zu ermutigen.“

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Schonung von Wasserressourcen

Ein Thema, bei dem die Berichterstattung unzureichend ist, ist die Frage, wie viel Wasser benötigt wird, um Bergbau zu ermöglichen. „Im ersten Jahr unseres Dialogs mit den Unternehmen hat sich gezeigt, dass es ein ausgeprägtes Bewusstsein für die Bedeutung der Kontrolle des Wasserverbrauchs bei den meisten Bergbaufirmen in der Peergroup gibt“, sagt Cristina Cedillo Torres. 

„Aufgrund der operativen Bedeutung einer erhöhten Effizienz bemühen sich die meisten von ihnen um die Wiederverwendung von Wasser und die Minimierung des Verbrauchs.“ 

„Allerdings legt die überwiegende Zahl der Firmen ihren Wasserverbrauch nur auf Ebene des Konzerns oder einzelner Unternehmenseinheiten offen. Nur eine Minderheit stellt Daten zu den einzelnen Minen bereit. Die Offenlegung auf Ebene der einzelnen Minen ist deshalb wichtig, weil die Nachhaltigkeit des Wasserverbrauchs von den spezifischen hydrologischen Charakteristika der Umgebung abhängt, in der eine Mine betrieben wird.“

Beschaffung besserer Daten

Um bessere Daten zu erhalten, hat sich Robeco einer Kampagne des Carbon Disclosure Project (CDP) angeschlossen, bei der acht der Unternehmen, mit denen wir in Dialog stehen, um jährliche Angaben zu ihrem Wasserverbrauch gebeten werden.  

„Zu den wichtigsten Problembereichen gehören die negativen Auswirkungen von Bergbauaktivitäten auf die Verfügbarkeit von Wasser für alle Nutzer der örtlichen Ressourcen“, sagt sie. „Daher ist es erforderlich, dass die Unternehmen sicherstellen, dass der Wasserspiegel im Einzugsgebiet nachhaltig ist.“

„Ermutigend ist die Feststellung, dass eine steigende Zahl von Unternehmen in der Peergroup Risikoanalysen im Hinblick auf Ebene des gesamten Wassereinzugsgebiets durchführen. Das ist der erste Schritt, um die Auswirkungen der Bergbauaktivität auf die Wasserverfügbarkeit auf Ebene des Einzugsgebiets messen und dokumentieren zu können. Gleichwertig können Ziele zur Abmilderung negativer Effekte auf die gesamten Wasserressourcen und ihre Nutzer festgelegt werden.“ 

Sicherheit der Dämme von Absetzbecken

Ein weiteres Thema ist die Sicherheit, nachdem im Jahr 2019 in Brumadinho (Brasilien) der Damm eines Absatzbeckens brach, wodurch 270 Menschen ums Leben kamen. Bereits 2015 war es im brasilianischen Mariana zu einem ähnlichen Dammbruch gekommen, bei dem 19 Menschen starben. Neben den Todesopfern verursachte der Unfall in Mariana die Ausbreitung von Giftstoffen in den Wasserläufen auf 668 km Länge.

„Im Anschluss an einen kooperativen Dialog im Rahmen der Investor Mining and Tailings Safety Initiative begannen die Bergbauunternehmen erstmals die Gesamtheit der von ihnen unterhaltenen Absetzbecken zu dokumentieren“, sagt Engagement Specialist Sylvia van Waveren. „Bis auf zwei Unternehmen haben alle Bergbaufirmen in der Peergroup detaillierte Angaben zu ihren Absetzbecken gemacht.“ 

Im Jahr 2020 wurde vom International Council on Mining and Metals (ICMM), der Principles for Responsible Investment-Initiative und dem UN Environment Program ein Global Industry Standard on Tailings Management geschaffen. Dieser soll sicherstellen, dass die Bergbauunternehmen nicht nur Sicherheitsaspekte beim Management ihrer Absetzbecken berücksichtigen, sondern auch Vorkehrungen zum Schutz der Umwelt und der Bevölkerung treffen. 

Standards treffen auf wenig Begeisterung

Die Bergbauunternehmen, die Mitglied im ICMM sind – darunter acht, mit denen wir im Dialog stehen – haben sich zur Umsetzung der globalen Standards innerhalb der nächsten drei Jahre verpflichtet. „Allerdings ist die Bereitschaft zur Umsetzung der Standards bei Unternehmen, die keine ICMM-Mitglieder sind, weniger ausgeprägt“, sagt Cedillo Torres. 

Von den fünf Bergbauunternehmen in der Peergroup, die keine Mitglieder des ICMM sind, hat bislang nur eines bekanntgegeben, den Standard voll umsetzen zu wollen. Kritisch stehend dem Standard insbesondere die Bergbaufirmen gegenüber, bei deren Absetzbecken ein hohes Risiko besteht, was den Grad der Schäden für Umwelt und Bevölkerung angeht, die bei einem Dammbruch auftreten würden.“

„Zu den Gründen, die dafür genannt werden, die Standards nicht vollständig umzusetzen, gehört die hohe Zahl an benötigten Experten, außerdem die Sorge, dass wesentliche Entscheidungen nicht länger vom Management getroffen werden, sondern an ein unabhängiges Expertenkomitee delegiert werden. Wir werden die Unternehmen weiterhin dazu anhalten, die globalen Standards in Bezug auf Absetzbecken umzusetzen.“

Auswirkungen auf die Umwelt

Schließlich gibt es noch das Problem, wie man die beträchtlichen landschaftlichen Veränderungen durch Bergbauaktivitäten bereinigt, sobald die Ressourcen erschöpft sind. „Nach bewährten Praxisvorbildern gelingt die Minimierung der Umweltauswirkungen von Bergbauaktivitäten dann am besten, wenn sie noch vor Beginn des Abbaus geplant und über die gesamte Lebensdauer einer Mine gesteuert werden“, sagt Cristina Cedillo Torres. 

„Frühzeitig entwickelte Pläne zur Schließung einer Miene eignen sich als Ausgangsbasis zur Verwendung adäquater Technologien und Maßnahmen. Dadurch lassen sich etwaige Umweltrisiken während der Betriebsphase leichter abmildern und die Renaturierungskosten am Ende des Lebenszyklus einer Minen reduzieren.“ 

„Im Rahmen unseres bisherigen Engagements sind wir auf eine komplexe Realität gestoßen, in der die Bergbaubetriebe je nach Alter und Standort unterschiedlichen Standards folgen, was die Beendigung der Förderung angeht. Entscheidender ist aber, dass die Angaben zu diesem wichtigen Aspekt den Investoren noch keine ausreichenden Informationen liefern, um zu ermitteln, in welchem Ausmaß die Unternehmen ausreichende finanzielle Vorkehrungen zur Deckung der Kosten von Minenschließungen und Renaturierung getroffen haben.“

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