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Nächste Welle im Fintech-Bereich: Technologie-Ermöglicher

Nächste Welle im Fintech-Bereich: Technologie-Ermöglicher

22-10-2019 | Einblicke
Der Boom bei Fintech und digitalem Bezahlen hält unvermindert an. Was die Verbreitung neuer Formen des Bezahlens angeht, sind die Schwellenländer führend – seien es Zahlungen auf Basis biometrischer Merkmale oder Gesichtserkennung. In den entwickelten Ländern vollzieht sich ebenfalls ein Wandel hin zu digitalem Bezahlen. Allerdings sind dabei andere Faktoren ausschlaggebend als in den Emerging Markets. B2B-orientierte Unternehmen, die Technologie für Zahlungsdienstleister bereitstellen, werden das nächste große Wachstumssegment in diesem Markt sein.
  • Patrick  Lemmens
    Patrick
    Lemmens
    Portfolio Manager Robeco FinTech

In aller Kürze

  • Der Bereich Digitales Bezahlen steht vor einer Welle von Übernahmen
  • In vielen Schwellenländern kommt Bargeld kaum noch in Betracht
  • Anbieter von Zahlungstechnologie werden das nächste Wachstumssegment im Fintech-Markt sein

Unterschiedliche Wachstumstreiber in aufstrebenden und entwickelten Ländern

Der Fintech-Markt wächst nach wie vor mit hohem Tempo. Neben dem boomenden Bereich Digitales Bezahlen kommt es dort derzeit auch zur Übernahme traditioneller Bankdienstleistungen wie der Kreditvergabe. Diese Entwicklung ergibt Sinn, da Zahlungsdienstleister ihre Kunden typischerweise gut kennen. Dadurch eignen sie sich auch als Kreditgeber – Banken dagegen sehen einen Kreditantragsteller häufig zum ersten Mal. „Fintech absorbiert allmählich viele der margenstarken Geschäftsfelder der Banken, einschließlich grenzüberschreitender Zahlungen, Kreditvergabe und Wertpapierdepots“, sagt Jeroen van Oerle, Co-Portfoliomanager des Robeco Global Fintech Equities Fonds.

Dieses dynamische Wachstum beruht in verschiedenen Weltregionen auf unterschiedlichen Treibern. „In den entwickelten Ländern profitiert Fintech vom Übergang von Bargeld zu Kartenzahlungen und anschließend zu digitalen Zahlungsformen“, erläutert Co-Fondsmanager Patrick Lemmens. In Teilen Europas sind einige Länder noch weit von einer vollständigen Digitalisierung entfernt. „In Italien erfolgen nach wie vor 80 % der Zahlungen in bar“, sagt Lemmens.

In den entwickelten Ländern wird der Wandel nicht vom Wirtschaftswachstum als solchem getrieben, sondern vom Wechsel der Verbraucher zu Online-Käufen, was wiederum Online-Zahlungen begünstigt. „Zwar wächst die Wirtschaft in den entwickelten Ländern nicht sonderlich schnell, aber der Bereich des digitalen Bezahlens tut es.“

Dagegen ist der treibende Faktor in den Schwellenländern das zugrundeliegende Wirtschaftswachstum, durch das immer mehr Menschen aus den unteren in die mittleren Einkommensschichten aufsteigen. Im Zuge des Trends zur finanziellen Inklusion haben sich in Asien von Anfang an neue Zahlungsformen entwickelt. Die mit Barzahlungen verbundene Infrastruktur wie zum Beispiel Geldautomaten wird dort immer seltener.

„In Ländern wie China ist es fast unmöglich, bar zu bezahlen”, sagt Lemmens. Das Bezahlen mit dem Mobiltelefon ist dort so verbreitet, dass „das Schlimmste was einem in China passieren kann, der Defekt des Telefons ist.“

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Welle von Fusionen und Übernahmen im Fintech-Bereich

Die derzeitige Welle an Unternehmensübernahmen in entwickelten und aufstrebenden Ländern gleichermaßen wird vom Bedarf nach höheren Zahlungsvolumina und dem Ausbau der IT-Kapazitäten getrieben. „Durch Fusionen und Übernahmen erlangen Unternehmen Skalenvorteile“, erläutert van Oerle. Anfang des Jahres kaufte der US-Zahlungsdienstleister FIS den Konkurrenten Worldplay, und auch Fiserv erwarb mit First Data einen anderen bedeutenden Anbieter am Markt. Global Payments hat Total System Services gekauft. Van Oerle ist der Ansicht, dass diese Welle an Fusionen und Übernahmen anhält und als nächstes Europa erreichen wird. Hier waren die Märkte noch bis vor kurzem stark fragmentiert. Doch nun wird es zu einer Konsolidierung auf europäischer Ebene kommen.

In den Schwellenländern haben sich bereits Konglomerate im Bereich Digitales Bezahlen herausgebildet. Dabei wird das Angebot von einigen großen Anbietern dominiert.

„Kleineren Unternehmen fällt der Wettbewerb mit staatlichen Zahlungssystemen wie UPI schwer“, erklärt van Oerle. Bei UPI (Unified Payments Interface) handelte es sich um ein Sofortbezahlsystem, das auch als Smartphone-Applikation verfügbar ist. Es wurde in Indien entwickelt, um Banktransaktionen zu erleichtern.

Des Weiteren erwerben führende chinesische Anbieter Beteiligungen an anderen asiatischen Zahlungsdienstleistern, um sowohl chinesische als auch nicht-chinesische Kunden bedienen zu können.

B2B als nächstes Wachstumsthema

Eine neue Wachstumschance im Fintech-Bereich werden B2B-Anbieter oder Ermöglicher sein. Dazu gehören all die Unternehmen, die Anbietern im Bereich des Digitalen Bezahlens entsprechende Systeme oder Infrastruktur zur Verfügung stellen – ob Software, Zahlungsterminals oder Cybersecurity-Services. Da der Fintech-Markt so schnell wächst und für seine Basisanwendungen auf diese Anbieter angewiesen ist, werden solche B2B-Unternehmen nicht vom gesamtwirtschaftlichen Umfeld beeinflusst, glaubt Van Oerle. „Sie sind tendenziell immun gegen eine Rezession, da es sich ihre Kunden nicht leisten können, Investitionen weiter aufzuschieben.“

Solche Ermöglicher des technologischen Umfelds beliefern Banken, Versicherungen und Assetmanager sowie die neu am Markt auftretenden Fintech-Unternehmen. Diese Entwicklung ist die treibende Kraft hinter den Fusionen und Übernahmen zwischen Ermöglichern und großen Finanzinstitutionen. Beispielsweise ist der japanische Finanzdienstleister und Assetmanager SBI Holdings an der Firma Ripple beteiligt, die global grenzüberschreitende Zahlungen anbietet.

Die Ermöglicher des technischen Umfelds am Fintech-Markt befinden sich noch in einem frühen Stadium und werden der Entwicklung im Bereich Digitales Bezahlen folgen. Während digitale Zahlungsdienstleister in den nächsten 5-10 Jahren noch beträchtliche Wachstums- und Anlagechancen bieten, werden wir uns in den nächsten Jahren auf die Identifikation der Gewinner unter den B2B-Anbietern fokussieren, die dann neue und zusätzliche Anlagechancen eröffnen“, sagt Lemmens.

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