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Bei den UN-Nachhaltigkeitszielen gibt es nicht nur Schwarz oder Weiß

Bei den UN-Nachhaltigkeitszielen gibt es nicht nur Schwarz oder Weiß

12-12-2018 | Einblicke

In einem früher erschienenen Artikel haben wir den dreistufigen Ansatz von Robeco skizziert, mit dem wir den Beitrag eines Unternehmens zu den Nachhaltigkeitszielen der UN messen. Im nunmehrigen Beitrag befassen wir uns näher mit einigen der Schwierigkeiten, die mit dem ersten Schritt verbunden sind. Dabei geht es um den Zusammenhang zwischen Produkten und Dienstleistungen von Unternehmen mit den Nachhaltigkeitszielen der UN und der Messung ihres Beitrags dazu.

  • Taeke  Wiersma
    Taeke
    Wiersma
    Co-head Credit Research

In aller Kürze

  • Aufgrund der Vielfalt der Aspekte können die Nachhaltigkeitsziele miteinander im Konflikt stehen
  • In Bezug auf die Nachhaltigkeitsziele schwächere Branchen können immer noch Unternehmen mit positiven Auswirkungen enthalten 
  • Eine Anlagestrategie in Bezug auf die Nachhaltigkeitsziele der UN erfordert einen konsistenten Ansatz

Es gibt 17 übergeordnete Nachhaltigkeitsziele der UN und 169 Unterziele, die eine sehr große Bandbreite an Aspekten betreffen und mitunter miteinander im Konflikt stehen. Deshalb ist die Umsetzung des ersten Schrittes nicht ganz einfach. Unternehmen, die indirekt zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele beitragen, könnten verfrüht aus dem Auswahlprozess aussortiert werden, wenn man lediglich ihre Kernaktivitäten betrachtet.

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Grauzonen

Auch wenn die Nachhaltigkeitsziele selbst recht klar erscheinen, überrascht möglicherweise die Vielzahl der Grauzonen bei der Beurteilung der Sektoren und einzelnen Unternehmen. Der Bereich Agrarchemie ist ein sehr gutes Beispiel dafür. Auf der einen Seite erhöht der Einsatz von Chemikalien zum Schutz der Ernten den Ertrag der Landwirtschaft erheblich, was von großem Vorteil im Hinblick auf das Nachhaltigkeitsziel 2 (Beseitigung des Hungers) ist. Doch werden Pestizide zunehmend für ihre negativen Umweltauswirkungen kritisiert, weshalb mit ihnen auch negative Assoziationen im Hinblick auf andere Nachhaltigkeitsziele verknüpft sind. Hersteller von Plastikverpackungen für Nahrungsmittel sind ein weiteres Beispiel. Sie tragen zur längeren Haltbarkeit von Nahrungsmitteln bei – wiederum vorteilhaft in Bezug auf Nachhaltigkeitsziel 2 (Beseitigung des Hungers). Doch ist mit ihnen auch Abfall verbunden, der sich negativ auf die Umwelt auswirkt.

Die Liste lässt sich noch verlängern. Wie soll man mit Unternehmen umgehen, die stark umweltverschmutzenden Aktivitäten nachgehen (Förderung von Öl, Gewinnung von Schiefergas), aber Aspekte wie die Gleichbehandlung der Geschlechter (Nachhaltigkeitsziel 5) und Arbeitssicherheit (eines der Unterziele von Nachhaltigkeitsziel 8) äußerst ernst nehmen? Die Schließung von Kohlebergwerken oder Kernkraftwerken ist im Hinblick auf Nachhaltigkeitsziel 7 (saubere Energie) von großem Vorteil, bedeutet jedoch Arbeitsplatzverluste. Dies kann vor allem in Entwicklungsländern erhebliche negative Auswirkungen in Bezug auf Nachhaltigkeitsziel 1 (Beseitigung der Armut) haben.

Bei der Definition eines Anlageuniversums mit Verbindung zu den Nachhaltigkeitszielen der UN geht es um mehr als nur die Analyse des Geschäftsfelds der Unternehmen

Ein Sektoransatz?

Auch wenn es einige Sektoren gibt, deren Beitrag zu den Nachhaltigkeitszielen eindeutig negativ ist (Tabakindustrie, Glücksspiel, Rüstung) ist dies in den meisten Fällen nicht so klar. Der Bereich Stromversorger umfasst sowohl kohlebasierte Produzenten als auch Lieferanten, die sich stark auf erneuerbare Quellen stützen. Anbieter der letztgenannten Kategorie sollten in Bezug auf die Nachhaltigkeitsziele höher eingestuft werden, während diejenigen die fossile Brennstoffe und Kernenergie nutzen, wahrscheinlich einen negativen Score erhalten dürften. 

Ein weiteres gutes Beispiel ist die Automobilbranche. Das Ranking der meisten Autohersteller liegt nach wie vor im negativen bzw. mittleren Bereich, da sie noch keine ausreichenden Produktionsschwellen für Elektro-/Hybridfahrzeuge erreicht haben. Doch umfasst die Automobilbranche auch die Herstellung von LKWs, die eine essentielle Rolle bei der Versorgung mit Nahrungsmitteln und anderen Basisgütern spielen. Außerdem leisten einige Zulieferer von Autoteilen auch positive Beiträge zu den Nachhaltigkeitszielen, beispielsweise mit Produkten, die zur Erhöhung der Effizienz und zur Verbesserung der Sicherheit beitragen. Ein Unterziel von Nachhaltigkeitsziel 3 (Gesundheit und Wohlbefinden) besteht in der weltweiten Reduzierung von Toten und Verletzten im Verkehr um 50 % bis 2020. 

Bei einer reinen Schwarz-Weiß-Betrachtung von Sektoren, werden Unternehmen aus einem „negativen“ Bereich automatisch ausgeschlossen, auch wenn sie in Bezug auf andere Aspekte ihrer Geschäftstätigkeit gut abschneiden – zum Beispiel im Hinblick auf Umweltauswirkungen, Arbeitsbedingungen und Zulieferer.

Robecos Vorgehen in Bezug auf die Nachhaltigkeitsziele

Bei der Definition eines Anlageuniversums mit Verbindung zu den Nachhaltigkeitszielen der UN geht es um mehr als nur die Betrachtung des Geschäftsfelds der Unternehmen als solches. RobecoSAM untersucht im Rahmen seines Ansatzes in Bezug auf die Nachhaltigkeitsziele darüber hinaus auch wie sie dort tätig sind. Dies gewährleistet, dass Unternehmen aus Sektoren, die keinen positiven Beitrag zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele zu leisten scheinen, nicht ausgeschlossen werden und auf Basis anderer Aspekte ihrer Geschäftstätigkeit analysiert werden können. Dies führt beim einzelnen Unternehmen zu einem Score in Bezug auf die Nachhaltigkeitsziele, der dessen tatsächlichen Beitrag zu den Zielen und zu einem ausgewogenen Anlageuniversum widerspiegelt. Die Anleihenanalysten von Robeco und die Spezialisten für nachhaltige Investments von RobecoSAM haben mittels ihres Ansatzes ein diversifiziertes Anleihenuniversum mit fast 600 Titeln evaluiert – in den Bereichen Investment Grade, High Yield und Emerging Markets über eine Vielzahl von Sektoren hinweg.

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