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Die Zukunft des Euro: Integration oder Auseinanderbrechen?

Die Zukunft des Euro: Integration oder Auseinanderbrechen?

19-09-2017 | Fünfjahresausblick
Die Zukunft des Euro dürfte eher in weiterer Integration als in einem Auseinanderbrechen liegen; diese Ansicht wird in unserem Fünfjahres-Ausblick vertreten.
  • Lukas Daalder
    Lukas
    Daalder
    Former CIO Robeco Investment Solutions. Daalder left Robeco in July 2018.

In aller Kürze

  • Zunehmender Populismus könnte zum Zerfall führen
  • Einführung von Eurobonds dürfte die Integration befördern
  • Sich weiter „durchwursteln“ ist nicht unbegrenzt möglich
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Die europäische Gemeinschaftswährung war noch nie perfekt, doch war die Erwartung ihres Niedergangs schon immer übertrieben. Seit EZB-Präsident Mario Draghi im Jahr 2012 seine berühmte „Whatever it takes"-Rede hielt, hat es nicht an Bekenntnissen zur Beibehaltung der Währung gefehlt.

Wie geht es nun also weiter mit dem Euro? Zwei Möglichkeiten erscheinen langfristig als am wahrscheinlichsten: Auseinanderbrechen oder weitere Integration, so unsere Publikation Expected Returns 2018-2022.

Auseinanderbrechen – verlässt Italien den Euro?

Ein teilweises oder vollständiges Auseinanderbrechen des Euroraums wird häufig als wahrscheinlich angesehen, auch wenn es zur Vermeidung eines wirtschaftlichen Chaos unterbleiben sollte, sagt der Chefvolkswirt von Robeco Léon Cornelissen. „Vorstellbar sind unterschiedliche Szenarien eines Auseinanderbrechen der Eurozone“, erklärt er. „Dazu gehören der Aufstieg populistischer Kräfte in der Politik, Spannungen zwischen Mitgliedstaaten, zunehmende wirtschaftliche Divergenz, der Zusammenbruch des Finanzsektors eines Landes und außer Kontrolle geratende Staatsverschuldung.“

„Das Land, das wahrscheinlich die größte Bedrohung für den Fortbestand der Eurozone darstellt, ist ihre drittgrößte Volkswirtschaft – Italien. Die italienische Wirtschaft ist seit dem Beitritt zum Euro-System kaum gewachsen. Das Land ist hoch verschuldet, sein Bankensystem befindet sich in schwacher Verfassung und die euroskeptische Fünf-Sterne-Bewegung liegt derzeit in den Umfragen vorne.“

Laut Cornelissen hat der Brexit gezeigt, dass ein Land die EU verlassen kann. Jedoch ist noch nie ein Mitgliedstaat aus dem Euroraum ausgestiegen. „Sollten sich bei Wahlen austrittswillige Kräfte durchsetzen, könnte das jeweilige Land (wie zum Beispiel Italien) sofortige Schritte zum einseitigen Verlassen des Euro unternehmen, was eine Reihe gravierender Reaktionen zur Folge hätte.“

„So müssten sofort strenge Kapitalverkehrskontrollen eingeführt werden, um einen Abfluss von Kapital aus dem Land zu vermeiden und um das Bankensystem zu retten. Wahrscheinlich würden die Banken verstaatlicht werden müssen. Außerdem würde der Außenhandel einen schweren Schlag erleiden. Die ökonomischen Kosten in diesem Szenario wäre für alle beteiligten Länder unvorstellbar hoch.“

Integration – Einführung von Eurobonds?

Nach Ansicht von Lukas Daalder, dem Chief Investment Officer von Robeco Investment Solutions, sind die extremen wirtschaftlichen und politischen Kosten eines Auseinanderbrechens der Hauptgrund dafür, dass man stets versuchen wird, die andere Option zu realisieren – nämlich eine fortschreitende Integration.

„Eine häufig genannte Idee ist die Einführung europäischer Anleihen, d.h. auf supranationaler statt auf nationaler Ebene emittierte Schuldverschreibungen“, sagt er. „Solche Anleihen würden sicherlich den Spekulationen über ein Auseinanderbrechen die Grundlage entziehen. Ein weiterer möglicher Schritt ist eine vollständige Bankenunion, allerdings wird diese Option aktuell deutlich weniger erörtert. Eine europaweite Einlagensicherung könnte einen Bankrun verhindern, falls ein staatlicher Emittent in finanzielle Schwierigkeiten geraten sollte."

Obwohl diese Schritte dazu beitragen, spekulative Angriffe zu verhindern, sollten letztlich Maßnahmen ergriffen werden, die die Eurozone zu einem echten einheitlichen Währungsraum machen, meint Daalder. Das Hauptproblem des Euro besteht darin, dass er von 19 unterschiedlichen Volkswirtschaften und Kulturen genutzt wird; damit ist die Eurozone kein optimales Währungsgebiet. Dafür müssten vier Kriterien erfüllt sein: vollständige Mobilität von Arbeitskräften und Kapital, ein Gleichlauf der Konjunkturzyklen und ein Finanzausgleich der Länder untereinander.

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Eine optimale Währung erfordert ein aufeinander abgestimmtes Wirtschaftswachstum; dies ist im Euroraum nicht gegeben. Quelle: Eurostat, Robeco

Durchwursteln – Vorsicht vor Target2?

Wie steht es um die Beibehaltung des Status quo? „An sich gibt es keinen Grund, weshalb wir kurzfristig nicht an dem gegenwärtigen Ansatz festhalten können, gar nichts zu unternehmen und auf einen guten Ausgang zu hoffen“, sagt Daalder. „Wenn die EZB wirklich gewillt ist, alles Notwendige zur Stabilisierung des Euro zu tun, dann könnte Nichtstun ausreichen – auch wenn es nicht die beste Lösung darstellt.“

„Allerdings könnte es Grenzen für das von EZB-Chef Draghi angeführte „Whatever it takes" geben. Die wachsenden Ungleichgewichte im Target2-System, das die Zahlungsströme zwischen den Zentralbanken der einzelnen Länder abwickelt, deuten auf zunehmende finanzielle Risiken hin. Wie wir im Fall der Schweiz gesehen haben, könnte selbst eine Notenbank die Entscheidung treffen, dass die finanziellen Risiken zu groß werden."

„Betrachtet man den Aufstieg populistischer Kräfte in den vergangenen Jahren, wird außerdem klar, dass es auch nicht sinnvoll ist, die Wünsche der Bevölkerung zu ignorieren und nichts zu unternehmen. Was sich am Ende als ausreichend erweisen wird, um das Überleben der Eurozone in ihrer gegenwärtigen Form in den nächsten fünf Jahren zu gewährleisten, bleibt abzuwarten.“

Dieser Artikel ist eine Zusammenfassung eines von fünf Spezialbeiträgen in unserem neuen Fünfjahres-Ausblick.

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