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Wer in globale Aktien investiert, sollte das Rauschen ausblenden

Wer in globale Aktien investiert, sollte das Rauschen ausblenden

05-10-2016 | Einblicke

Anleger, die in globale Aktien investieren, sollten Marktstörungen unbeachtet lassen und sich auf die Suche nach besonders werthaltigen Papieren konzentrieren, meint Fondsmanager Josh Jones.

  • Josh Jones
    Josh
    Jones
    Portfolio Manager Boston Partners Asset Management

In aller Kürze

  • Fokus auf einzelne Aktien ist wichtiger als Marktstimmung
  • Vernachlässigte Branchen können hochattraktiv sein
  • Aktienauswahl und Branchenallokation werden wichtiger

Das „Brexit”-Votum, Sorgen um das Wachstum in China und Preisschwankungen bei Rohstoffen haben die Aussichten für Aktien eingetrübt. Allerdings sind immer noch attraktiv bewertete Titel zu finden, sofern man diszipliniert nach Unternehmen Ausschau hält, die sich unabhängig von der Konjunktur überdurchschnittlich entwickeln können.

„Die Aktienauswahl und die daraus resultierende Allokation nach Branchen werden immer wichtiger, während die Anleger in der Spätphase des jetzigen Konjunkturzyklus das zunehmende gesamtwirtschaftliche Grundrauschen herausfiltern”, sagt Jones, der gemeinsam mit Chris Hart den Boston Partners Global European Premium Equities Fund managt.

Boston Partners folgt der bewährten „3-Kreise”-Philosophie. Diese beschränkt sich auf Aktien, die gegenüber dem Gesamtmarkt attraktiv bewertet sind, gute Fundamentaldaten und einen positiven Geschäftstrend aufweisen.

„Unser Global Premium-Produkt deckt alle Größenklassen ab und verfolgt einen Bottom-Up-Ansatz. Dennoch sind es oft gesamtwirtschaftliche Nachrichten und Marktstörungen, die die Anleger bewegen”, sagt Jones. „Die Leute haben einen Bezug zu Makrothemen, weil sie täglich darüber lesen. Für das Portfolio ist es aber letztlich wichtiger, die richtigen Unternehmen mit den passenden Eigenschaften zu finden. Störungen am Markt verursachen häufig Verwerfungen, vor allem bei Nebenwerten.”

„Wir werden immer wieder gefragt, wie wir in aufwärts und abwärts gerichteten Märkten eine Outperformance erzielen, wenn wir im gesamten Kapitalisierungsspektrum anlegen. Der Grund dafür ist typischerweise, dass wir in Unternehmen hoher Qualität investieren – auch dann, wenn sie klein sind. Diese Flexibilität hat sich im Fonds bezahlt gemacht.”

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Was „Value“ wert ist

Die Global Premium-Strategie konzentriert sich auf „Value“-Aktien – also Aktien, deren Marktbewertung nicht das gesamte Potential des Unternehmens widerspiegelt. Weitgehend ignoriert werden „Growth“-Aktien oder defensive Titel, die häufig sehr teuer sind.

„In den letzten Jahren haben wachsende gesamtwirtschaftliche Sorgen viele Aktienanleger veranlasst, Momentum-Titel zu bevorzugen, weil sie diese für sicherer halten”, macht Jones deutlich, der in London arbeitet. „Dies hat die Bewertungen von ‚Growth’-Aktien und defensiven Titeln mit hohen Dividendenrenditen stark nach oben getrieben, sodass sie sehr teuer geworden sind.”

„Wir halten an unseren Grundsätzen fest – ganz gleich, wie das Umfeld auf kurze Sicht aussieht”

Aus der strikten Befolgung des „3-Kreise“-Investmentprozesses von Boston Partners ergibt sich, dass in Segmenten wie Klassischer Konsum, REITs und Versorger keine lohnenden Gelegenheiten gesehen werden, da die dort vertretenen Unternehmen die Anforderungen nicht erfüllen. Dies hat dazu geführt, dass der Fonds zeitweise erheblich vom Referenzindex MSCI World abweicht – in Phasen, in denen Momentum-Titel am Markt bevorzugt wurden, bisweilen auch zu seinem Nachteil.

„Wir halten an unseren Grundsätzen fest – ganz gleich, wie das Umfeld auf kurze Sicht aussieht. Bei einem langfristig funktionierenden Prozess haben die kurzfristigen Ergebnisse keinen Einfluss auf unseren Ansatz”, betont Jones.

Chancen in vernachlässigten Branchen

Welche Wahl bleibt also, wenn echte Value-Titel Mangelware sind? „Bisher hat der Fonds einen Großteil seines Alphas oft mit der Einzeltitelauswahl in drei vernachlässigten Branchen erzielt: Energie, Rohstoffe und Industrie”, erläutert Jones. „Dort fanden wir im Value-Segment solide Unternehmen mit positivem Momentum.”

„Zwar hat der Energiesektor im letzten Jahr infolge des niedrigen Ölpreises insgesamt schlecht abgeschnitten. Doch trotz des ungünstigen Umfelds haben sich einige Unternehmen recht gut gehalten. Außerdem kauften wir einige Industriewerte, die sich aufgrund unternehmensspezifischer Faktoren gut entwickelten. Gemieden haben wir jedoch Industrietitel, deren Erträge durch ihre Abhängigkeit von den Bereichen Energie sowie Metalle und Bergbau beeinträchtigt wurden.”

Der Brexit verdeutlicht das Problem des Hintergrundrauschens am Markt

Laut Jones illustriert das Brexit-Votum vielleicht am besten, weshalb es wichtig ist, sich von politischen Themen nicht den Blick verstellen zu lassen und sich auf die Aktienauswahl zu konzentrieren. Im Vorfeld des historischen Referendums im Juni betrug der Anteil britischer Aktien am Portfolio rund 7 %, und daran hat sich an dem Tag, an dem das mehrheitliche Votum für den EU-Austritt bekannt gegeben wurde, nichts geändert.”

„Unsere Position am britischen Markt konzentriert sich nach wie vor auf Konsumwerte und wird durch einige Titel aus dem Verteidigungsbereich ergänzt. Dabei sind die Anlagen über mehrere Größenklassen gestreut, nachdem sich im Anschluss an das ‚Brexit’-Votum günstige Einstiegschancen in diversen Bereichen ergaben.”

‚Auch nach dem Brexit-Votum verwenden wir weiterhin dieselben Filterkriterien’

„Auch nach dem Brexit-Votum verwenden wir weiterhin dieselben Filterkriterien. Dabei registrieren wir in einigen Fällen verbesserte Bewertungen, sehen allerdings auch zunehmende Unsicherheit beim Geschäftstrend”, stellt Jones fest. „Die britischen Unternehmen, deren Aktien im Portfolio enthalten sind, erwirtschaften im Schnitt mehr als zwei Drittel ihres Umsatzes außerhalb Großbritanniens. Dies sollte ihnen stabilere Zukunftsaussichten verschaffen, ganz gleich wie sich das Ausscheiden Großbritanniens aus der EU letztlich auswirkt.”

„Wir suchen deshalb einfach nach Unternehmen, die gut dastehen und hohe Cashflows erzielen, und überlassen dann den Fundamentaldaten das Spiel.”

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